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Claude war eine Stunde weg. Was macht euer Ablauf, wenn die KI ausfällt?

Gestern Nachmittag war Claude für eine Weile weg. Laut Statusseite und Berichten ging es um 14:21 Uhr UTC los, also bei uns 16:21 Uhr, erst die Web-App, Claude Code und Cowork, ein paar Minuten später auch die API. Um 14:41 UTC war eine Korrektur drin, Anmeldungen und einzelne Sitzungen haben aber noch länger gehakt. Anthropic hat den Leuten sogar geraten, sich bloß nicht abzumelden, weil man sonst nicht wieder reinkommt (Android Authority). Das Zeitfenster, das Anthropic selbst angibt, liegt bei ungefähr einer Stunde (TechRadar).

Eine Stunde klingt jetzt nicht dramatisch. Und ganz ehrlich, solche Ausfälle gibt es bei jedem großen Anbieter, da will ich gar nicht mit dem Finger auf Anthropic zeigen. Laut demselben Bericht stehen auf der Statusseite für September 13 Vorfälle, im August 25 und im Juli 55. Wird also weniger. Null wird es halt nie.

Wir merken so was sofort

Wir arbeiten jeden Tag mit Claude Code, beim Entwickeln, beim Aufräumen, bei Recherchen. Wenn das weg ist, merkt man ziemlich schnell, wie viel man inzwischen darüber laufen lässt. Ich sag ja immer wieder, KI macht abhängig und ermöglicht dafür neue Türen. Dabei bleib ich auch. Für uns als Entwickler ist so eine Stunde trotzdem eher lästig als schlimm, dann macht man halt was anderes, liest Code oder schreibt das Ticket fertig, das eh schon zu lange liegt.

Spannender finde ich die Frage bei unseren Kunden und bei allen, die KI gerade in ihre Abläufe einbauen. Da hängt nämlich ein ganzer Ablauf dran. Und der bleibt dann einfach stehen.

Wo die KI im Ablauf steckt

Mal ein ganz normales Beispiel. Rechnungen kommen als PDF rein, eine KI liest Betrag, IBAN und Rechnungsnummer aus und legt das in der Buchhaltung ab. Bei einem unserer eigenen Tools pult auch eine KI die Daten aus dem PDF, das Muster ist also überall ziemlich ähnlich. Solange die API antwortet, merkt keiner was davon. Und dann antwortet sie eine Stunde nicht.

„Sach mal Kalle, warum hängt das Ding schon wieder?“ „Keine Ahnung, gestern ging's noch.“ Der Mitarbeiter lädt das PDF dreimal hoch, dann ruft er den Kollegen an, der das mal eingerichtet hat, und der sitzt im Termin. Irgendwann tippt jemand die Rechnungen wieder von Hand ab, oder sie bleiben liegen und keiner weiß mehr genau, welche schon drin sind und welche nicht.

Also, dass die KI mal weg ist, kann passieren. Blöd wird es, weil beim Einbauen niemand festgelegt hat, was in so einer Stunde passieren soll. Die KI wurde als Abkürzung in einen Ablauf gesteckt, den es vorher analog gab, und der analoge Weg ist dabei irgendwie verloren gegangen. Ulf wusste mal, wie das von Hand geht. Ulf ist jetzt in einer anderen Abteilung.

Was ich vorher festlegen würde

Ist gar nicht viel. Und das meiste davon ist eine Absprache, Technik braucht es nur an ein, zwei Stellen.

  1. Aufschreiben, an welchen Stellen im Ablauf überhaupt eine KI oder ein externer Dienst dranhängt. Oft weiß das nur der, der es gebaut hat.
  2. Pro Stelle klären, ob es warten darf. Eine Rechnung, die eine Stunde später ausgelesen wird, ist meistens egal. Eine Kundenanfrage im Chat, die ins Leere läuft, eher nicht.
  3. Wenn es warten darf: Die Software soll den Auftrag parken und später nochmal probieren, statt dem Mitarbeiter eine Fehlermeldung hinzuklatschen. Das ist technisch überschaubar, eine Warteschlange mit Wiederholungen, muss man aber einmal bauen.
  4. Wenn es nicht warten darf: einen Weg ohne KI behalten und aufschreiben. Von Hand, mit einem einfachen Formular, oder im Zweifel über einen zweiten Anbieter. Einen zweiten Anbieter würde ich aber nur da anbinden, wo es wirklich nötig ist, weil das jeden Test und jede Änderung doppelt macht.
  5. Festlegen, wer es merkt. Eine Statusseite, die keiner abonniert hat, bringt nichts. Die Software sollte selbst melden, wenn sich Fehler häufen, und zwar an jemanden, der dann auch was tut.

Klingt fast schon zu banal, um es hinzuschreiben. Aber wenn KI irgendwo nachträglich reingebaut wird, fehlt meistens genau dieser Teil. Über das Modell wird ewig diskutiert. Was passiert, wenn es nicht antwortet, fragt irgendwie keiner.

Der Ablauf kommt vor dem Werkzeug

Für mich ist das am Ende dieselbe Geschichte wie immer. Wenn der Ablauf vorher nicht klar war, bleibt er auch mit KI unklar, man merkt es solange bloß nicht. Und wenn die KI dann fehlt, ist er plötzlich gar nicht mehr da. Also erst den Weg ohne KI einmal aufschreiben, dann die KI dazu. Das gilt übrigens auch für uns selbst, da haben wir auch noch ein paar Ecken, die wir uns angucken sollten.

Wie ist das bei euch, wenn die KI in einem Ablauf mal nicht antwortet? Gibt es da einen festgelegten Weg, oder wäre gestern bei euch auch eher Kalle am Telefon gewesen?

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