Bei uns im Büro hängt ein Monitor, auf dem unter anderem steht, ob die Websites und Apps laufen, die wir betreuen. Grüner Punkt heißt läuft, roter Punkt heißt nicht. Am Mittwoch stand bei einer Seite ein grüner Punkt, und wer die Seite aufgemacht hat, hat trotzdem nur die Standardseite der Serververwaltung gesehen. So eine Platzhalterseite halt, die kommt, wenn für die Domain nichts eingerichtet ist. Die eigentliche Seite war weg.
Und die Überwachung hatte sogar recht, auf ihre Art. Sie hat gefragt, ob der Server antwortet. Hat er auch. Freundlich, schnell und mit dem Code für „alles in Ordnung“, nur eben mit der falschen Seite. Ich fand das im ersten Moment ziemlich ärgerlich, man hat ja genau für so was eine Überwachung. Im zweiten Moment dann eher lehrreich.
Was da eigentlich passiert ist
Viele Websites liegen auf Servern, die über eine Verwaltungsoberfläche betreut werden, sehr verbreitet ist zum Beispiel Plesk. Dort ist hinterlegt, welche Domain zu welcher Seite oder App gehört. Geht diese Zuordnung verloren, etwa nach einer Änderung an der Domain oder am Server, zeigt Plesk seine eigene Standardseite an. In der Hilfe von Plesk stehen dafür gleich mehrere Gründe: Domain deaktiviert, keine Startdatei im Ordner, falsche Zuordnung oder ein DNS-Eintrag, der auf den falschen Server zeigt. Bei uns fehlte die Weiterleitung von der Domain zur App.
Für Besucher ist das ein Ausfall. Für eine einfache Überwachung nicht. Die meisten Dienste prüfen erst mal nur, ob eine Antwort kommt und welchen Code sie hat. 200 heißt okay. Und das schickt so eine Standardseite eben auch. Dasselbe passiert bei vergessenen Wartungsseiten, bei Fehlerseiten, die das System hübsch verpackt mit „okay“ ausliefert, oder bei einer Seite, die zwar lädt, aber leer bleibt. Das Problem ist bekannt, unter Entwicklern heißt so was „Soft 404“, und HostTracker beschreibt es ganz gut: Der Server hat geantwortet heißt noch lange nicht, dass die Seite funktioniert hat.
Wie unsere Überwachung vorher lief und was wir geändert haben
Unsere Prüfung ruft alle fünf Minuten jede Seite auf. Damit nicht jeder kleine Wackler im Netz gleich einen Alarm auslöst, gilt eine Seite erst als ausgefallen, wenn sie zweimal hintereinander nicht antwortet. Dann kommt eine Nachricht in unseren Slack. Und wenn auf einmal alle Seiten gleichzeitig ausfallen, schreibt sie auch genau das dazu, weil dann ziemlich sicher der Prüfrechner selbst kein Netz hat und nicht alle Seiten auf einmal kaputt sind. Lief alles gut. Aber halt nur bei der Sorte Ausfall, bei der gar nichts mehr kommt.
Also haben wir noch am selben Tag zwei Dinge geändert. Erstens erkennt die Prüfung jetzt die Standardseite von Plesk und meldet sie als Ausfall, mit dem Hinweis, dass wahrscheinlich die Weiterleitung fehlt. Zweitens haben wir für jede Seite ein Wort hinterlegt, das auf der Seite stehen muss, meistens einfach der Name der Firma oder des Produkts. Steht es nicht drin, ist die Seite rot, egal was der Server sagt. War schnell gemacht und hätte ehrlich gesagt von Anfang an so sein sollen.
Website überwachen: was ihr dafür braucht
Bauen müsst ihr dafür nichts. Die gängigen Dienste können so eine Inhaltsprüfung schon, das heißt dort meistens Keyword-Überwachung. UptimeRobot zum Beispiel hat sie laut eigener Preisseite auch im kostenlosen Tarif, mit Prüfung alle fünf Minuten. Ob ihr den kostenlosen Tarif für eure Firma nutzen dürft, schaut bitte selbst in den aktuellen Bedingungen nach, da habe ich widersprüchliche Angaben gefunden. Einen Überblick über weitere Dienste gibt es zum Beispiel bei HOSTtest.
Einen Haken gibt es aber. Der Dienst liest laut UptimeRobot den Quelltext, so wie er vom Server kommt, und nicht das, was der Browser danach daraus macht. Bei Seiten, die sich erst im Browser zusammenbauen, steht da manchmal kaum was drin. Ob euer Wort drinsteht, seht ihr ganz einfach: Seite im Browser öffnen, Rechtsklick, Seitenquelltext anzeigen und nach dem Wort suchen.
Und dann ist da noch die Frage, die in den ganzen Vergleichen fast nie vorkommt. Wer kriegt eigentlich den Alarm? Wenn die Mails an eine Adresse gehen, die keiner mehr liest, oder an die Agentur, die das damals aufgesetzt hat und von der keiner so genau weiß, ob sie noch zuständig ist, dann ist die Überwachung im Grunde nur ein Protokoll. Steht alles drin, merkt halt nur keiner was.
In fünf Schritten zur Überwachung, die auch was merkt
- Auflisten, was überhaupt laufen muss. Die Website, der Shop, das Kontaktformular, das Buchungstool, die Seite für Bewerbungen. Oft sind das mehr Adressen als gedacht.
- Pro Adresse ein Wort festlegen, das immer draufsteht. Firmenname, Produktname, die Überschrift vom Formular. Im Seitenquelltext prüfen, ob es wirklich drinsteht.
- Einen Dienst mit Inhaltsprüfung einrichten. Also mit der Prüfung auf euer Wort, „Seite erreichbar“ allein reicht halt nicht. Fünf Minuten Abstand sind für die meisten kleinen Firmen völlig okay.
- Festlegen, wer den Alarm bekommt und was er dann tut. Ein Name, keine Sammeladresse. Dazu eine Vertretung für Urlaub und eine Notiz, wen man anruft, Hoster, Agentur oder den, der die Seite gebaut hat.
- Einmal absichtlich testen. Das Wort in der Überwachung kurz auf etwas ändern, das nicht auf der Seite steht, und schauen, ob und bei wem der Alarm ankommt. Danach zurückstellen.
Ich glaub, Schritt vier ist meistens der, der fehlt. Die Technik ist schnell eingerichtet. Aber wer bei euch am Samstag um halb acht das Handy in die Hand nimmt, wenn die Seite weg ist? Das ist eine Absprache. Und die hat mit der Überwachung eigentlich gar nichts zu tun.
Wer bei sich mal durchgehen will, wie solche Zuständigkeiten gerade geregelt sind, und zwar nicht nur bei der Website, kann mit dem Prozess-Check anfangen.